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Retter ohne Ruhm

 

Die schwerste Rettung des Jahres
vollbrachte die Mannschaft der Station
Langeoog unter Führung  des Vormannes
Hillrich Kuper jr.


Für diese hervorragende Rettungstat, die
unter schwierigsten Umständen im Kampf
mit dem Eis am 05. März 1942 durchgeführt
wurde und zwölf Schiffbrüchige dem
sicheren Tode entriss, hat der Führer auf
Vorschlag des Reg.-Präsidenten in Aurich
folgenden Rettungsmännern die Rettungs-
medaille am Band verliehen.

Es wurden ausgezeichnet:
             
Maler Erich Bents                                    
Kapitän Johann Kuper
Seemann Harm Börgmann
Kapitän Otto Leiß
Bauführer Hinrich Eilts                             
Schlosser Tjard Mannott
Lokomotivführer Alfred Veith
Frisör Heinrich Wilken
Frisör Heinrich Hoffrogge
Dünenvorarbeiter Johann Wilken
Kapitän Hillrich Kuper                              
Angestellter Heinrich Wißmann       
 
Bei eisigem Oststurm und schwerem Schneetreiben strandete im März d. J. ein Lotsendampfer nördlich von Spiekeroog. Ein Minensuchboot und ein Vorpostenboot der Kriegsmarine versuchten trotz Treibeishinderung die Mannschaft des Lotsendampfers, über den ständig grobe Seen hinweggingen, zu bergen. Bei dieser Aktion kenterte ein Kutter des Minensuchbootes. Die Kutterbesatzung wurde bis auf einen Mann durch das Vorpostenboot, das bei dieser Hilfeleistung selbst auf flachen Grund geworfen wurde, gerettet. Inzwischen war auch von unserer Rettungsstation Langeoog, die mit einem Ruderrettungsboot ausgerüstet ist, Alarm gegeben worden. Für das Rettungswerk stand unserm Vormann Kapitän Hillrich Kuper jr. Nur das Ruderrettungsboot zur Verfügung, da die in den Nachbarstationen stationierten Motorrettungsboote wegen der völligen Vereisung des Watts und der See nicht zum Einsatz kommen konnten. Es galt nun zunächst, in dem völlig vereisten Küstengebiet eine eisfreie Stelle zu suchen. Das Boot wurde mit einem Vorspann von 8 Pferden an eine geeignet erscheinende Strandstelle gebracht, doch hatte sich überall das Eis zu so hohen Bergen gestaut, dass ein Zuwasserbringen des Bootes trotz eines Einsatzes von40 Soldaten nicht möglich war. Erst mit Einsetzen des Ebbstromes am Nachmittag wurden die gewaltigen Treibeismassen vom Strand abgesetzt und das Wasser so weit frei, dass es mit der Unterstützung der 40 Soldaten gelang, wiederum über hohe Eisberge das Boot zu Wasser zu bringen. Nach mehrstündigem Kampf mit Eis und See gelang es dem Rettungsboot an das stark vereiste und bereits teilweise voll gelaufene Vorpostenboot heranzukommen und 12 Schiffbrüchige in das Boot überzunehmen. Da im Rettungsboot bereits 12 Mann Besatzung waren, so war das Boot durch das Hinzukommen der 12 Schiffbrüchigen schwer beladen. Bei sehr ungünstigem Wind und Strom wurde die Heimfahrt angetreten, aber es gelang zunächst nicht, von den Sandbänken freizukommen. Die Lage, in der sich das Rettungsboot befand, war sehr gefährlich, und es musste die ganze Kraft der Mannschaft eingesetzt werden, um von den Sandbänken freizukommen, was nach 3½ Stunden schwerer Arbeit und bei 12 - 14° Frost gelang. Mit der Flut setzte aber wiederum starkes Treibeis ein, so dass das Boot vom Eis bald fest umklammert war. Da es sich jedoch in der Mitte des Fahrwassers befand, bestand vorerst keine Gefahr, von dem Eis auf Grund gesetzt zu werden. Mit dem günstigen Strom wurde das Rettungsboot schließlich an das Ostende der Insel Baltrum geschoben. Die Eisbewegungen und die ungefähre Lage, in der sich das Boot befand, wurden durch Scheinwerfer, die von Langeoog und Baltrum das Eis dauernd ableuchteten, festgestellt. Erst um Mitternacht kam das Eis zum stehen. Das Rettungsboot befand sich jetzt noch ca. 60 m vom Strand an einer Stelle mit ca. 20 m Wassertiefe. Da bestimmt damit zu rechnen war, dass binnen kurzer Zeit das Boot mit dem Eis wieder hinaustreiben würde, entschloss sich der Vormann Kuper, den Versuch zu machen, den Strand über das zusammen geschobene Treibeis zu erreichen. Es wurden nun Bootsriemen zu Hilfe genommen und der Rettungsmannschaft sowie den Schiffbrüchigen gelang es, in mühevollem Ringen kriechend über das brüchige Scholleneis den sicheren Strand zu erreichen. Eine Bergung des Bootes war nicht möglich. Nach einer Stunde Fußmarsch in harter Frostnacht gelangten die Retter und die Schiffbrüchigen schließlich in Witjes Strandhotel, wo den Kranken von einer DRK-Schwester erste Hilfe zuteil wurde. Am nächsten Tage konnte die Rettungsmannschaft zu Fuß über das Eis den Rückmarsch zum Festland antreten, während die Kranken im Schlitten transportiert wurden.

Quelle: DGzRS-Jahrbuch 1942 Einsatzbericht vom 31. August 1898

Der Ortsausschuss der Insel Langeoog berichtete: "Am 31. August, um 10 Uhr vormittags, traf die Meldung ein, dass sich der Brückenwärter Apken seit dem frühen Morgen auf der hiesigen Landungsbrücke befände und wegen der inzwischen eingetretenen Sturmflut, wodurch die Brücke bereits zum größten Teil unter Wasser sei, in großer Lebensgefahr schwebe. Da der Augenschein diese Meldung bestätigte, wurde die Rettungsmannschaft zusammengerufen und das Rettungsboot "Reichspost" der Weststation zu Wasser gebracht. Bei Ankunft an der Landungsbrücke wurde der Wärter im Brückenkopf, dem einzigen nicht ganz unter Wasser befindlichen Teil der Brücke, auf einem der Seitenstreben unter der Überdachung aufgefunden, wo er jedoch fortwährend von den hohen Spritzwellen überflutet wurde. Da ein großer Teil des Fußbodens des Brückenkopfes bereits fortgetrieben und losgerissen war, bestätigte sich die vorausgesetzte Gefahr vollkommen, zumal das Wasser noch im Steigen begriffen war. Der Wärter wurde ins Boot genommen und ohne Unfall gelandet. Das Rettungsboot, welches während der Fahrt viel Spritzwasser übernahm, manövrierte vorzüglich.

Quelle: DGzRS-Jahrbuch 1898/99
 
 
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